Bundtschu - Definition laut Lexikon
Im Lexikon findet man unter Bund(t)schu folgendes: "FUßBEKLEIDUNG, ein Stück Leder, durch einen Riemen um den Knöchel befestigt; schon von den Germanen, später von den deutschen BAUERN getragen." Seine eigentliche Bedeutung bekam dieses "Stück Leder" jedoch erst, als es im 15. und 16. Jahrhundert als eine Gemeinsamkeit der Bauern und eine Abgrenzung gegenüber den anderen Ständen verstanden wurde. Wo immer sich Menschen ungerecht behandelt fühlten, wurde ein Bundtschu auf eine Stange gesteckt, um gegen das Unrecht zu demonstrieren. Um die Solidarität der Bauern zu verstehen, muß man jedoch erst einmal ein Bild davon haben, wie die Bauern damals lebten.

Die Gesellschaftsordnung um 1500
Es war damals keine einfache Zeit für die Bauern. Die Gesellschaft war in VIER STÄNDE geteilt. Es gab den KLERUS, der sich aus Geistlichen, Pfaffen und Mönchen zusammensetzte und nach dem Worte Gottes leben sollte, aber nicht selten seine Zeit mit Frauen, Essen und Trinken verbrachte. Es folgte der ADEL, der den Bauern mit Steuern, Frondiensten und durch Rücksichtslosigkeit das Leben zur Hölle machte. Der dritte Stand waren die BÜRGERLICHEN, also Handwerker und Stadtleute. Den vierten Stand bildeten die BAUERN.
Zur Zeit Karl des Großen, so um 800, besaßen viele Bauern noch eigenes Land und durften Waffen tragen. Dafür mußten sie auch mit ihrem König in den Krieg ziehen, wenn dieser sie hierzu aufforderte. Letztendlich führte diese "Freiheit" der Bauern dazu, daß viele Höfe verkamen, da die Bauern ihre Zeit auf den Schlachtfeldern verbrachten. Diese Kriegspflicht wollten viele Bauern umgehen. Sie unterstellten sich Adeligen, Bischöfen und Klöstern. Die neuen Herren der Bauern übernahmen dem König gegenüber dann die Kriegspflicht der Bauern. Im Gegenzug gaben die Bauern ihren Besitz ab, durften ihr Land zwar weiter bearbeiten, mußten aber jedes Jahr einen Teil des Ertrages an den Grundherren abtreten. Diesem waren sie auch zu Frondiensten verpflichtet: sie waren HÖRIGE BAUERN geworden. Diese Bauern durften wenigstens das von ihnen bebaute Land an ihre Kinder vererben und sie durften vom Grundherren auch nicht vertrieben werden. Schlechter waren da die LEIBEIGENEN BAUERN dran, die mit Haut und Haaren ihrem Herren gehörten. Sie waren rechtlos und wurden behandelt wie Vieh. Leibeigene durften in der Regel nicht ohne Zustimmung ihres Herren heiraten. Ihre Kinder wurden ebenfalls Leibeigene und erbten beim Tod der Eltern nichts. FREIE BAUERN gab es auch noch. Wenige von ihnen hatten einen eigenen Hof und waren einflußreich. Die meisten freien Bauern mußten jedoch ebenso Land vom Grundherren pachten und waren damit auch wieder mit Abgaben und Frondiensten gestraft.
Blieben sie auf Grund von Mißernten oder anderer Widrigkeiten die Abgaben schuldig, wurden ihnen diese erlassen, wenn sie sich "freiwillig" in die Leibeigenschaft begaben.
Um freie oder hörige Bauern in die Leibeigenschaft zu pressen, waren sich Adel und Klerus auch zur Urkundenfälschung nicht zu schade - plötzlich tauchten Urkunden auf, die irgendwelche Schulden oder eine Leibeigenschaft der Vorfahren belegen sollten. Besonders der Fürstabt des Klosters Kempten tat sich hierin hervor, was bereits im Vorfeld des Bauernkrieges immer wieder zu Unruhen in dieser Gegend führte.
Die Lebensumstände der Bauern waren erbärmlich. Ihr Tagesablauf war durch die jeweilige Jahreszeit und die dadurch vorgegebene helle Tageszeit bestimmt. In dieser Zeit wurde Feldarbeit und nicht selten den Herren Frondienste geleistet. Alles Werkzeug der Bauern mußten diese selber herstellen. Gewohnt wurde in Hütten, die unter einem Dach Stall und Wohnraum bildeten. Bildung war nur den anderen Ständen möglich.
Früher durften Bauern noch Waffen tragen, dies war ihnen von den Herren verboten worden. Nach dem "alten Recht" waren die WÄLDER und die TIERE darin Allgemeingut und für die Bauern zugänglich. Auch dies hatte der Adel im Laufe der Zeit geändert: Feuerholz und die Tiere des Waldes durften von den Bauern nicht mehr genutzt werden. Es kam sogar soweit, daß es Weinbauern verboten war, Vögel, die ihre Trauben fraßen zu vertreiben oder gar zu töten.
Die im Mittelalter entstandenen Universitäten lehrten neben Theologie vor allem Recht. Dies führte mit der Zeit zu immer mehr ausgebildeten Juristen - mit verhängnisvollen Folgen für die Bauern. Wurden Streitigkeiten früher durch örtliche Gerichte entschieden, die mit Bauern und anderen Laien besetzt waren, die nach dem allgemeinen Rechtsempfinden und nach ihrem Gewissen entschieden (altes Recht), so zogen am Ende des Mittelalters auf Betreiben von Klerus und Adel immer mehr Gerichte diese Fälle an sich, deren studierte Juristen nach geschriebenen Gesetzen (römisches Recht) urteilten. Diese Juristen ließen sich jedoch allzu oft für die Sache der Herren einspannen. Die Bauern mußten die als ungerecht empfundenen Urteile hinnehmen und wurden zunehmend aus der Rechtsprechung verdrängt.
Zur grundlegenden Abschaffung des alten Rechtes kamen immer stärkere Abgaben und Frondienste hinzu, die die Unzufriedenheit der Bauern schürte.

Der Widerstand beginnt
Bereits 1439 übte ein unbekannter Schriftsteller (hätte er seinen Namen genannt, wäre er schnell einen Kopf kürzer gewesen) Kritik an Gesellschaft, Wirtschaft und Kirche. "Gehorsam ist tot. Gerechtigkeit leidet Not. Nichts steht in rechter Ordnung", schreibt er in der REFORMATIO SIGISMUNDI, die erstmals 1476 gedruckt wurde. Mit der Erfindung der Buchdruckerkunst 1450 durch JOHANN GUTENBERG war es möglich geworden, Meinungen im Volk zu streuen.
Im April des selben Jahres pilgerte ein Hirte namens HANS BÖHEIM zur Wallfahrtskirche in Niklashausen bei Wertheim / Tauberbischofsheim. Er begann dort gegen die Gesellschaftsordnung zu sprechen und erfuhr schnell als "PROPHET VON NIKLASHAUSEN" starken Zuspruch. Es sollen bis zu 30000 Menschen seinen Worten zugehört haben. Dies ist sehr hoch zu bewerten, da damals Köln die größte Stadt im "Heiligen römischen Reich Deutscher Nationen" war: mit 35000 Einwohnern! Der Zulauf von Hans Böheim blieb auch dem Bischof von Würzburg nicht verborgen: Am 19. Juli 1476 wurde der "Prophet von Niklashausen" auf dem Scheiterhaufen verbrannt - ein vom Bischof zugesichertes ordentliches Gericht in seiner Sache, hatte es vorher nicht gegeben. Die übriggebliebene Asche wurde auf dem Main verteilt - man wollte jede Erinnerung an den Propheten zerstören.
1493 in SCHLETTSTADT im Elsaß verlangten die Bauern die Behandlung ihrer Rechtsangelegenheiten vor dem Gericht des Bischofs von Straßburg, statt vor ihren bestechlichen und willkürlichen Dorfgerichten. Dieser Aufstand wurde auch hart bestraft: drei Anführer wurden geköpft und den restlichen Aufrührern wurden die Schwurfinger abgehackt, mit dem sie dem Bundtschu die Treue geschworen hatten.

JOß FRITZ, ein junger Bauer aus UNTERGROMBACH bei Bruchsal, war als Landsknecht (Soldat) herumgekommen, hatte die Welt gesehen, lesen und schreiben gelernt und konnte die bestehende Gesellschaftsordnung nicht mehr akzeptieren.

1501 begann er Mitglieder für einem GEHEIMBUND BUNDTSCHU zu werben. Er wollte eine Vereinigung der Bauern und einen Kampf für deren Freiheit. Er wollte ein Ende der Hörigkeit der Bauern und der Leibeigenschaft und das Eigentum des Klerus sollte der Gemeinschaft übereignet werden. Die Heere der Geistlichen sollten aufgelöst werden und der Kaiser gegenüber den Fürsten gestärkt werden. Der Kaiser sollte mit einer Volksvertretung aus allen vier Ständen das Land regieren. Die Menschen sollten über ihre Arbeitskraft frei verfügen dürfen. Nach einem halben Jahr des Werbens waren 7000 Männer und 400 Frauen im Bundtschu.

Bevor der Bundtschu zuschlagen konnte, wurde er jedoch dem Bischof von SPEYER verraten. Unter der Folter wurden viele Mitglieder des Geheimbundes bekannt gegeben. Sie verloren ihren gesammten Besitz an den Bischof, die Schwurfinger wurden ihnen abgehackt, andere wurden geköpft oder gevierteilt: Der erste Anlauf von Joß Fritz war gescheitert, obwohl er selber entkam.
1513 warb Joß Fritz erneut für seinen Geheimbund, dieses mal in der Nähe von FREIBURG. Auf einer von ihm entworfenen Fahne war unter anderem ein Kreuz, der Papst, der Kaiser, ein Bauernpaar und ein Bundtschu zu sehen: man wollte sich nur noch dem Papst und dem Kaiser unterordnen. Auch dieser Bundtschu wurde, dieses mal von einem Straftäter, der seiner bevorstehenden Strafe entgehen wollte, verraten. Viele seiner Mitglieder wurden erneut bestraft, doch die Kritik an der Bestrafung wurde, auch in anderen Ständen, immer lauter: der Bundtschu hatte immer mehr Anhänger in der Gesellschaft gefunden.
1517 tauchte Joß Fritz erneut in seiner Heimat auf, der dritte Anlauf zum Bundtschu wurde erneut verraten, dieses mal von einem Bundtschu-Mitglied, das EINE BEICHTE ABLEGTE, wobei der Pastor das BEICHTGEHEIMNISS nicht ganz so eng auslegte: der Einfluß von Joß Fritz auf die Bauernaufstände hatte damit ein Ende.
Der Bundtschu hatte einen Umdenkprozeß in Gang gesetzt, hatte Sympathisanten gefunden und war dreimal an Leuten in den eigenen Reihen gescheitert, die ihn verraten hatten.
Nicht nur im Bundtschu hatten sich die Bauern versammelt. In Würtenberg kamen die Bauern im Geheimbund "ARMER KONRAD" zusammen. Sie nannten sich so, weil sie vom Adel so verspottet und gerufen wurden (ARMER KONRAD = armer Kerl, armer Teufel). Der Arme Konrad versuchte gegen Herzog Ulrich von Würtenberg vorzugehen, der durch sein maßloses Leben seine Untertanen immer mehr auspresste. Als Ulrich die Nichte des Kaisers, die Bayernfürstin Sabina im Jahre 1511 heiratete, zählte man z.B. 7000 vornehme Hochzeitsgäste, die ein 14-tägiges Fest begangen. Ulrich hatte, als er immer mehr Steuereinnahmen für sein Luxusleben benötigte, sogar die gloreiche Idee und lies alle Maßgewichte, mit denen die Waren gewogen wurden, durch kleinere ersetzen: damit kostete 1 kg Mehl immer noch den selben Preis, man bekam halt nur noch 700 Gramm! Am Ende ließ Herzog Ulrich 1700 Bauern aus dem REMSTAL gefangennehmen. Sie wurden gefoltert, eingekerkert oder geköpft: man hatte die Untertanen (zeitweise) zur Ruhe gebracht.

Die Bauern und die Reformation
Während die Bauern an vielen Orten gegen Die Gesellschaftsordnug vorgingen, brodelte es auch innerhalb der Kirche.
Ulrich Zwingli in Zürich und Johannes Calvin in Genf vertraten öffentlich Meinungen, die stark von der römisch-katholischen Lehre abwichen. Sie predigten z.B. daß jeder Mensch seinen eigenen Weg zu Gott finden könne, ohne die Vermittlung der Kirche. Dies untergrub hochgradig den Absolutheitsanspruch der römischen Kirche.
PAPST LEO X. wollte sich ein Denkmal errichten und plante den Bau der PETERSKIRCHE in Rom. Um das nötige Kleingeld hierfür zu erhalten kam ihm die Idee des Ablaßhandels: die armen Seelen konnten sich für ihre Sünden bei der Kirche freikaufen und den ersehnten ABLAßBRIEF erhalten. Für jede Sünde gab es einen eigenen Preis, je nach Schwere der Tat.

Ein Mönch aus WITTENBERG namens MARTIN LUTHER bekam einen Ablaßbrief in die Hände und war empört. Im Oktober 1517 verfasste er 95 Thesen gegen den Ablaßhandel. Durch seine Thesen wurde der Bevölkerung klar, weswegen der Ablaßhandel betrieben wurde -ein Erfolg Luthers. Im Oktober 1518 mußte Luther fliehen, um seiner Gefangennahme zu entgehen. 1520 erschienen die wichtigsten Werke Luthers, u.a. die Schrift "Von der Freiheit eines Christenmenschen". Dies beginnt mit dem Satz: "Ein Christenmensch ist ein Herr über alle Dinge und NIEMANDEM untertan" - erstmals war es nicht ein Bauer, der Gleichheit in der Gesellschaft verlangte und dies auch noch mit der heiligen Schrift unterlegte.

1521 kam Luther zum Wormser Reichstag und wiederrief seine Schriften nicht - er durfte zwar unbeschadet abziehen, wurde aber gebannt. Auf der WARTBURG fand er Schutz und begann das Neue Testament in´s Deutsche zu übersetzen. Mönche verliesen ihre Klöster und begannen die Lehre Luthers zu predigen, heilige Messen wurden erstmals in Deutscher Sprache gehalten.
Balthasar Hubmaier in Waldshut, Hans Jakob Wehe in Leiphein, Christoph Schappeler in Memmingen - immer mehr Priester vertraten auch auf Wunsch ihrer Schäfchen die neue Lehre, sehr zum Mißfallen der geistlichen und weltlichen Herren, die ihre Stellung gefärdet sahen. Die Bauern fingen an nach der biblischen Begründung für ihre erbärmliche Situation zu fragen.
Mit dem Reformationsgedanken hat Luther sicherlich einen bedeutenden Teil zum späteren Bauernaufstand beigetragen. Als später die Bluttat zu WEINSBERG bekannt wurde, Müntzer mit seinen politisch religiösen und revolutioären Thesen mehr Zulauf fand und man dennoch Luther immer mehr Schuld für die Bauernaufstände gab, wurden Luthers Töne schärfer und schlugen um. Er schrieb "wieder die MÖRDERISCHEN UND RÄUBERSICHEN Rotten der Bauern". Jetzt seien sie ganz rechtlos: "man soll sie zerschmeißen, würgen, stechen, heimlich und öffendlich, wer da kann, wie man einen tollen Hund erschlagen muß".

Der Aufstand der Bauern
1524 verweigerten immer mehr Bauern ihre Abgaben. In der Grafschaft Stühlingen verlangte die Gräfin von Lupfen von ihren Bauern (die gar keine Leibeigenen waren) mitten in der Ernte Schneckenhäuser zu suchen, auf die sie dann Garn aufwickeln konnte: das Faß lief über und die Stühlinger Bauern verweigerten erstmals einen Dienst. Man konnte sich nicht mit dem Graf auf einen Kompromiß einigen, da dieser von den Bauern verlangte, sie sollten sich niederknien und zugeben, daß sie Unrecht getan hätten. So kam es, daß sich die Stühlinger Bauern mit den Hegaubauern bei Singen zusammentaten. Man sicherte von Seite des Adels den Bauern zu, daß ein unabhängiges Schiedsgericht deren Angelegenheit prüfen sollte. Nachdem im Frühjahr 1525 von diesem Gericht noch nichts zu sehen war, bildeten die Bauern die "CHRISTLICHE VEREINIGUNG". Sie verfassten einen Artikelbrief mit ihren Forderungen und schafften es, daß immer mehr Bauern sich ihnen anschlossen.
In Baltringen schlossen sich die Bauern zum BALTRINGER HAUFEN zusammen. Innerhalb kurzer Zeit sammelten sich hier mehr als 12000 Bauern, Bürger und Geistliche. Das Hauptquartier dieses Haufens war das Ried bei Bieberach. In der Nähe von Lindau am Bodensee kamen 12000 Männer zusammen, darunter viele Geistliche und gut ausgebildete Landsknechte. Sie nannten sich SEEHAUFEN. Dieser Bauernhaufen hatte sein Hauptquartier in Bermatingen. Im Allgäu sammelten sich 7000 Männer und nannten sich ALLGÄUER HAUFEN. Dieser Bauernhaufen schlug Lager in Leubas und Raithenau auf.
In Memmingen kamen Führer des Baltringer Haufen mit dem Pfarrer Christoph Schappeler und dem Kürschner Sebastian Lotzer zusammen. Gemeinsam versuchten sie die Forderungen der Bauern zusammenzufassen und diese mit der Bibel argumentativ zu hinterlegen. Auf diese Weise entstehen DIE ZWÖLF ARTIKEL. In Memmingen entwickeln die Hauptleute der Bauenhaufen auch eine gemeinsame Ordnung, mit der die verschiedenen Bauernhaufen füreinander einstehen sollten.
Hier ein Auszug aus den ZWÖLF Artikeln:

1. Artikel
Jede Gemeinde soll sich ihren PFARRER selbst wählen können und, wenn dieser sich ungebührlich verhalten sollte, wieder absetzten können.
2. Artikel
Der Korn-Zehnt soll dem Unterhalt des Pfarrers und den Armen als Almosen dienen.
3. Artikel
Die LEIBEIGENSCHAFT soll aufgehoben werden.
4. Artikel
Der gemeine Mann soll das Recht haben WILD, GEFLÜGEL und FISCHE zu fangen.
5. Artikel
Die Waldungen, die bislang die geislichen und weltlichen Herren innehatten, sollen wieder von der Gemeinde genutzt werden.
6. Artikel
FRONDIENSTE sollen auf ein erträgliches Maß reduziert werden.
7. Artikel
Auch sollen diese Dienste nur "laut den Vereinbarungen zwischen Herr und Bauer" festgelegt werden.
8. Artikel
Der Pachtzins an den Grundherren soll von "ehrbaren Leuten" nach Recht und Billigkeit festgelegt werden.
9. Artikel
Schwere Frevel sollen aufgrund alter geschriebener Strafsatzungen, je nachdem, wie die Strafsache beschaffen ist, und nicht nach Gunst geahndet werden.
10. Artikel
Die Gemeindewiesen und -äcker sollen wieder von den BAUERN genutzt werden.
11. Artikel
Der TODFALL, die Abgabe von Besitz an den Leibherren beim Tod eines Bauern, soll abgeschafft werden.
12. Artikel
Wenn einer dieser Artikel dem Worte Gottes nicht gemäß ist, so wollen wir hiervon absehen, wenn man uns den Beweis mit Begründung aus der Schrift führt.

Eine große Schwäche der Bauernhaufen war ihre Uneinigkeit über die Ziele des Aufstands, sowie die Methoden und Wege diese Ziele zu erreichen. Wendel Hipler, ein ehemaliger Kanzler der Grafen von Hohenlohe und einige andere Weitsichtige erkannten, daß den verschiedenen Aufständen eine gemeinsame Richtung gegeben werden mußte, sollten sie nicht alle an einer Zersplitterung der Kräfte scheitern.
So bildete sich in Heilbronn ein Verfassungsausschuß, der über eine Reform des heiligen römschen Reiches deutscher Nation arbeitete. Der erste Entwurf bestand aus 14 Artikeln, die teilweise erst 350 Jahre danach verwirklicht werden sollten:

1. Artikel
Alle Geweihten, hohen und niederen Standes und Namens werden reformiert und erhalten ein festgelegtes Einkommen; ihre Güter fallen zu gemeinen Nutzen.
2. Artikel
Alle weltlichen Herren werden reformiert, damit der arme Mann nicht über christliche Freiheit von ihnen beschwert werde: gleiches Recht dem Höchsten wie dem Geringsten. Fürsten und Edle sollen den Armen schützen und sich brüderlich halten, gegen ein ehrliches Einkommen.
3. Artikel
Alle Städte und Gemeinden werden zu göttlichen und natürlichen Rechten nach christlicher Freiheit reformiert. Keine alte oder neue menschliche Erdichtung in der Bibel mehr. Alle Bodenzinsen fallen weg.
4. Artikel
Kein Doktor des römischen Reiches kann zu einem Gericht oder in eines Fürsten Rat zugelassen werden. Nur drei Doktoren des kaiserlichen Rechts auf jeder Universität, um sie in vorkommenden Fällen um Rat zu befragen.
5. Artikel
Kein Geistlicher, hohen oder niederen Standes, kann in des Reiches Rat sitzen oder als anderer Fürsten und Kommunen Rat gebraucht werden: keiner kann ein weltliches Amt bekleiden.
6. Artikel
Alles weltliche Recht im Reich, das bisher gebraucht wurde ist ab und tot, und es gilt das göttliche und natürliche Recht, damit der arme Mann so viel Zugang zum Recht habe als der Reicheste. Es sind 64 Freigerichte im Reiche mit Beisitzern aus allen Ständen, auch aus dem Bauernstand; 16 Landgerichte, 4 Hofgerichte, ein kaiserliches Kammergericht deutscher Nation, auch diese mit Beisitzern aus allen 4 Ständen, doch so, daß das Volk 4 Stimmen MEHR hat.
7. Artikel
Alle Zölle, alle Geleite hören auf, außer den Zöllen, die zu Brücken, Stegen und Wegen notwendig sind.
8. Artikel
Alle Straßen sind frei.
9. Artikel
Keine Steuer als alle zehn Jahre einmal die Kaisersteuer.
10. Artikel
Nur EINE Münze in deutscher Nation.
11. Artikel
Gleiches Maß und Gewicht überall.
12. Artikel
Beschränkung des Wuchers der großen Wechselhäuser, die alles Geld in ihre Hände ziehen, und Arm und Reich ihres Gefallens beschätzen und beschweren.
13. Artikel
Freiheit des Adels vor jedem geistlichen Lehensverband.
14. Artikel
Aufhebung aller Bündnisse der Fürsten, Herren und Städte: überall nur Schirm und Schutz des Kaisers.

Der Gegenspieler der Bauern
Bereits 1488 hatten schwäbische Städte und Adelige den SCHWÄBISCHEN BUND zur Verteidigung der Reichsgrenzen gegründet. Hinter diesem Bund standen auch der bayrische Kanzler Eck - ein fanatischer Bauernhasser - und die mächtige Kaufmannsdynastie der FUGGER in Augsburg. Besonders die Fugger mit ihrer immensen Finanzkraft waren dem Schwäbischen Bund eine wichtige Hilfe. Dieser Bund unter der Führung von Georg Truchseß von Waldburg zog gegen die Bauern ins Feld. Der Schwäbische Bund hatte 9000 Söldner und 1500 gepanzerte Reiter, als er gegen die Bauern loszog.

Der Verlauf der Schlachten
Einige Bauernhaufen hatten mit dem Schwäbischen Bund versucht zu verhandeln, um die Zwölf Artikel durchzusetzen. Die Taktik des "BAUERN-JÖRG" genannten Truchseß war zumeist die, die Bauern in Verhandlungen zu verstricken, die Streitmacht der Bauern zu teilen und dann kleinere Einheiten aufzureiben, was ihm allzu oft gelang.

Zudem kam dem Truchseß zugute, daß viele der Bauern eigentlich gar nicht kämpfen wollten, sondern eine Verhandlungslösung vorzogen. Auch bestand das Heer des Truchseß nur aus Landsknechten, die für ihre Kampftätigkeit bezahlt wurden, also das ganze Jahr über zu Verfügung standen. Die Bauern mußten sich eigentlich auch um ihre Höfe und Felder kümmern, wenn sie im nächsten Winter genug Narung haben wollten. Die überwiegende Zahl der Bauern war militärisch nicht ausgebildet und manch einer geriet in Panik, wenn die Geschütze des Truchseß losdonnerten. Die wenigen kampferfahrenen Landsknechte in den Reihen der Bauern konnten das nicht wettmachen.

Zu Leipheim sammelten sich ca. 5000 Bauern um den reformatorischen Prediger Hans Jacob Wehe. Die Bauern schwärmten in kleinen Gruppen aus, um Klöster und Adelssitze zu plündern und damit ihre Kriegskasse zu füllen. Auf dem Rückmarsch nach Leipheim wurde ihnen vom Bundesheer am 4. April 1525 der Rückzug verlegt und die Gruppen aufgerieben. Leipheim kam mit einem Strafgeld davon, Hans Jacob Wehe und seine Mitstreiter wurden hingerichtet.
Hans Müller von Bulgenbach, der Kriegserfahrung als französischer Landsknecht gemacht hatte, gelang es die Bauernhaufen aus dem Breisgau, Markgräfler Land, Kaiserstuhl und Hochberg mit seinem Südschwarzwälder Haufen zu vereinen. Damit hatte diese Vereinigung eine Stärke von ca. 18000 Mann. Am 23. Mai nahm die Vereinigung Freiburg ein. Danach wollte er mit seiner Streitmacht den Bauern zu Hilfe eilen, die Radolfzell am Bodensee belagerten. Doch die meisten seiner Streiter gingen nach dem Sieg in Freiburg nach Hause, um sich um ihre Höfe zu kümmern. So zog er nur mit einer kleinen Gruppe dem Haufen bei Radolfzell Beistand zu leisten. Am 2. Juli wurde der Haufen vom Heer des Erzherzogs Ferdinand von Österreich geschlagen. Hans Müller entkam, wurde aber bei dem Versuch einen neuen Bauernhaufen aufzustellen gefangengenommen, gefoltert und am 12. August 1525 enthauptet.
Am 12. April 1525 stellte der Schwäbische Bund den Baltringer Haufen. Da die Bauernhaufen sich nicht gegenseitig halfen, wurden die Baltringer entwaffnet und mußten ein saftiges Strafgeld bezahlen (nach heutiger Rechnung ca. 15000 DM je Baltringer). So ging der Schwäbische Bund seinen Weg. Da die Bauernhaufen nicht füreinander einstanden wurde ein Haufen nach dem anderen gestellt und aufgerieben, ohne daß man diese Taktik des Truchseß erkannte.
Übrig blieb schließlich nur noch der Seehaufen mit seinen 12000 Mann. Der militärisch nicht schlecht ausgebildete Seehaufen war zahlenmäßig dem Schwäbischen Bund überlegen. Am 13. April 1525 standen sich beide Heere bei Weingarten gegenüber. Nachdem der Seehaufen seine Geschütze sprechen lies, zog sich der Truchseß mit seinem Heer zurück, er hatte erkannt, daß er eine offene Schlacht nicht gewinnen konnte. So wurde wieder die Verhandlungskarte gezogen und am 17. April 1525 wurde der WEINGARTENER VERTRAG geschlossen, in dem der Truchseß den Bauern Straffreiheit zusicherte. Die Angelegenheit der Bauern sollte vor einem unabhängigen Gericht verhandelt werden. Im Gegenzug gelobten die Bauern, den Seehaufen aufzulösen und nach Hause zu gehen. Warum die Bauern hierauf eingegangen sind, obwohl sie dem Schwäbischen Bund überlegen waren - vielleicht konnten sie ihre Stärke nicht richtig einschätzen, vielleicht waren sie auch "zu christlich" - wer weis das schon. Der Schwäbische Bund hatte auf jeden Fall keinen Mann verloren und konnte gegen andere (kleinere) Bauenhaufen losziehen.
1925 gab es nicht nur im Südwesten Bauernhaufen. Auch im Odenwald, im Taubertal, im Neckartal und um Würzburg bildeten sich Bauernhaufen. Im TAUBERTALER HAUFEN spielte FLORIAN GEYER, Mitglied einer fränkischen Adelsfamilie, eine tragende Rolle. Er stellt seinen Besitz dem Taubertaler Haufen zur Verfügung. Die Kämpfer, die er auf eigene Kosten geworben hatte waren wegen ihrer Kampfkraft bekannt und gefürchtet. Ihrer Kleidung und Fahne wegen wurden sie die schwarzen Haufen genannt.
Durch seine adelige Herkunft war Geyer aber sehr umstritten. Es gab einige Bauernführer, die meinten ein Adeliger würde ihre Sache nicht mit dem nötigen Nachdruck verfechten oder sogar verraten. Im Neckartaler Haufen spielte ein Hitzkopf namens JÄCKLEIN ROHRBACH eine ebenso schillernde Rolle. Er spielte sehr schnell mit seiner Frau, genannt die schwarze Margret, die führende Rolle im Neckartaler-Odenwälder Haufen. JÄCKLEIN ROHRBACH prägte entscheident das Bild vom "grausamen und blutrünstigen Bauern". Er lies den von Bauern gehaßten Grafen Helfenstein und seine Familie durch die Spieße laufen, d.h. die Bauern stellten sich in einer Reihe auf und durften so lange auf die Hilflosen einstechen, bis diese tot waren. Die Schreckenstat von WEINSBERG führte dazu, daß die Geistlichen und die Adeligen nun alle ihre Kräfte mobilisierten, den Bauern den Gar auszumachen. Auch der Augsburger Bankier FUGGER stellte nun viel Geld hierzu zur Verfügung

Nach der Schreckenstat von WEINSBERG wurde ein alter Recke, der Ritter Götz von Berlichingen, zum Führer des Neckartaler-Odenwälder Haufens gewählt, der fortan als HELLER LICHTER HAUFEN firmierte. Am 2. Juni 1525 trafen der Truchseß und der Helle Lichte Haufen bei Würzburg zusammen. Kurz vor dem Zusammentreffen endete die Hauptmannschaft des Götz von Berlichingen. Er verließ den Haufen unter dem Vorwand Verstärkung zu holen. Der nun führerlose Haufen hatte gegen den Truchseß keine Chance. Nach zweistündigem Kampf waren 8000 Bauern tot.

2000 weitere Bauern wurden gefangen genommen. Götz von Berlichingen wurde im Götzenturm in Heilbronn gefangengesetzt. Florian Geyer hatte sich durch sein Beharren auf militärische Disziplin im Bauernhaufen und die Weigerung die Feste Marienberg in Würzburg zu erstürmen, sehr unbeliebt gemacht. Deshalb wurde er kaltgestellt und zu Verhandlungen mit dem Markgrafen Kasimir geschickt, so daß er zu spät zur Schlacht kam. Auch Florian Geyer wurde hinterrücks ermordet: der große fränkische Bauernhaufen war zerstört. Am 25. April 1525 schlossen sich Bauernhaufen bei Stuttgart zum WÜRTENBERGISCHEN HAUFEN zusammen. 12000 siegessichere Bauern zogen dem Truchseß entgegen. Der Schwäbische Bund wagte nicht anzugreifen, setzte die Stadt Böblinen unter Druck und maschierte dort ein. Von dort gab es einen Überraschungsangriff auf den Würtenbergischen Haufen, der so zerschlagen wurde. So waren in Oberschwaben, Franken und Würtemberg bereits die Bauernhaufen vom Schwäbischen Bund aufgerieben worden.

In Thüringen hatte sich jedoch ein Bauernhaufen um den Pfarrer THOMAS MÜNTZER gehalten. In Allstedt hatte sich Müntzer vom Luther-Anhänger zu einem seiner Gegener gewandelt, weil er für die gewaltsame Befreiung der Bauern predigte, was Luther ablehnte. 1525 wurde Müntzer als Pfarrer in Mühlhausen eingesetzt. In Mühlhausen wurden die Klöster aufgelöst, die Räume Obdachlosen zur Verfügung gestellt, die Armen erhielten Nahrungsmittel: es war eine christliche Demokratie geschaffen worden.

Müntzer versuchte unterschiedliche Bauernhaufen zu vereinen, was ihm allerdings nicht so recht gelang. So stand er am 14. Mai 1252 den truppen Landgraf Philipp´s gegenüber. Erste Angriffe des Landgrafen wurden abgewehrt. Als die Bauern verhandeln wollten, erschien ein Regenbogen am Himmel und Müntzer konnte diese Zeichen nutzen, um die Bauern für die Schlacht zu motivieren. Die inzwischen verstärkten Truppen des Landgrafen schlugen die Bauern aber dennoch und am Ende waren 5000 Bauern tot. Müntzer wurde gefangen genommen, gefoltert und schließlich hingerichtet.
Im Elsaß hatte ein 18000 Mann starker Bauernhaufen Zabern, die Residenz des Bischofs von Straßburg, besetzt. Herzog Anton von Lothringen erschlug zuerst ein 6000 Mann starkes Ersatzheer dieses Bauernhaufens. Die restlichen Bauern nahmen das Angebot des Herzogs an, straffrei abzuziehen, wenn sie waffenlos, mit gefalteten Händen Zabern verlassen würden. Als sie die Stadt wehrlos verlassen hatten wurden sie von Landsknechten und Reitern niedergestochen. Herzog Anton zog weiter, schlug andere Bauernhaufen und hatte in einer Woche 25000 Bauern erschlagen - er war sich sicher, damit Gott und der Christenheit einen großen Dienst geleistet zu haben.

Strafgerichte und die Folgen der Bauernaufstände
Nachdem die Bauernhaufen zerschlagen waren und ca. 100000 Bauern ihr Leben verloren hatten, begannen die Fürsten mit ihren Strafgerichten. Soldaten und Henker durchzogen die Dörfer. Die Bauern mußten ihren Herren huldigen, sie mußten Strafgelder bezahlen, die zerstörten Schlösser, Kloster und Burgen wieder aufbauen. Die Städte, die mit den Bauern kooperiert hatte, mußten hohe Strafgelder zahlen: der Adel sanierte sich.
Die Strafgerichte waren z.T. an Grausamkeit nicht zu überbieten, so ließ z.B. Markgraf Kasimir in Franken bei einem Strafgericht sechzig Bauern die Augen ausstechen und achtzig Bauern enthaupten. Es folgte eine Zeit von 300 Jahren, in denen die Bauern nicht mehr im großen Stil aufbegehrten und sich von den Ereignissen des Jahres 1525 langsam erholten. Erst mit der Revolution 1848/1849 konnten die Ziele durchgesetzt werden, die bereits 1525 von den Bauern formuliert wurden.

Diese Zusammenfassung ist eine komprimierte Darstellung der Beschreibung des Buches "Der Deutsche Bauernkrieg" von Mai Hafermaas und enthält zusätzliche Auszüge aus dem Buch "Der große Deutsche Bauernkrieg" von Wilhelm Zimmermann, sowie andere Quellen aus dem Internet.